Langer Grund

 

 

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Nach dem I. Weltkrieg und damit dem Ende seiner Dienstzeit, ließ sich Ludwig Schaper seine Abfindung bar, und in Gold auszahlen.
Mit diesem Geld kaufte er, unbehelligt von der späteren Inflation, das Grundstück in der Gemarkung Langer Grund, erbaute das erste, kleine Häuschen und erwarb später das umliegende Land hinzu.
Zuerst als Milchbude, was damals Mode war, bot der Lange Grund Pyrmonter Kurgästen Milchgetränke und übliche Erfrischungen an.
   

Blick in den Langen Grund mit dem gleichnamigen Gasthaus ganz hinten am Wald , vorn die Ziegelei, rechts, wo die Straße einen Knick macht, nicht sichtbar, der "Schellenhof" Blick vom Gasthaus auf Ziegelei und Schellenhof im Vordergrund, Löwensen in der Mitte und Eichenborn mit der "Windmühle" auf der Hochebene.
   

 

Blick von Eichenborn aus in den Langen Grund 1920 kaufte Ludwig das kleine Stück für das Haus an der Straße und erbaute dieses erste Haus mit Küche und Gastraum.
Damals wohnte und schlief die ganze Familie im Sommer im Gastraum und auf dem Dachboden, im Winter in einem Fremdenzimmer auf dem elterlichen Hof in Oesdorf.
   

Bereits ein Jahr später, wurde der Eingang, links, umbaut, eine Dachwohnung mit einem Mansardenzimmerchen kam hinzu.
Damit war die quälende, räumliche Enge für die Familie verringert worden.

Ludwigs Geschäftsidee sowie großer Fleiß gepaart mit Sparsamkeit seiner Frau Auguste ließen es zu, dass die Familie bald an größere Erweiterungen denken durfte, das umliegende Land, ca. 15 Morgen, wurde z.T. aus dem väterlichen Erbe übernommen, z.T. gekauft.
Mussten die Kinder bislang die Kuh an der Straße weiden lassen, war nun ausreichend Weide und Grund für Heu für den Winter vorhanden.

1925 gab es größere bauliche Erweiterungen:

 
   

Lieber Marnie, vielen Dank für dieseKarte!

Auf der linken Seite des Hauses (von hier aus gesehen: hinten) wurde ein zweigeschossiger Anbau errichtet. Die Sanitär- und Kücheneinrichtung war damit auf größere Besuchermengen eingestellt
Die gedeckte Terasse wurde bedeutend vergrößert.

Neben der bestehenden, wurde im Obergeschoss ein zweites Mansardenzimmer ausgebaut .
Zusammen mit dem Vorigen diente es später, für einige Jahre, als "Altsitzerwohnung" für Ludwig und Auguste.
Auf der Rückseite des Hauses wurden Ställe für zwei Kühe, Schweine sowie Hühner und darüber Heu- und Strohboden angebaut.

   

Langer Grund, Bad Pyrmont, Blick von der Terrasse ins Tal

Die Erweiterung enthielt auch einige Fremdenzimmer:
"[...] Befinden uns heute hier, in diesem Gasthaus werden wir logieren [...]."
Auf die Rückseite dieser Karte ließ Ludwig setzen:
S'ist Frieden traut hier Menschenkind
Dem Schöpfer dankend knie'
Hier schläft, umsäuselt von Wald und Wind,
Bad Pyrmonts Poesie.
Ludwig verlegte die Stromleitung vom Schellenhof aus bis zum Langen Grund.
   
Lieber Marnie, vielen Dank für dieseKarte!

Nach dem Krieg übernahm Sohn Heinrich Schaper, Konditor, den Langen Grund, zunächst als Pächter, ab 1961 als Eigentümer .
Der Gastraum war schon lange zu klein geworden und die Küche konnte den Ansturm der Gäste zur Kaffeezeit nicht mehr bewältigen.
So wurde die ehemals offene Terasse (vorige Bildreihe, rechts) zu einem geschlossenen Gastraum und der vorige Gastraum zur Küche umgebaut.
Von der Quelle des Schellenbachs ausgehend, wurde Wasser zu einem Überlaufbehälter im Wald und von dort aus ins Haus geleitet.

   

Heinrich erweiterte die Bepflanzung mit Obstbäumen um ein Vielfaches, legte umfangreiche Beerenstrauchreihen an.
Auf dem Bild rechts gut erkennbar, kamen eine Autogarage, neue Schweine- und Hühnerställe hinzu.

Mit zwei Milchkühen, sechs bis acht Schweinen sowie ca. 50 bis 80 Hühnern, Gemüsegarten und einem Kartoffelacker, war nicht nur die Selbstversorgung der Familie, der Konditorei und des Restaurantbetriebs gesichert, sondern es wurden mehrere Hotels in Pyrmont mit Obst beliefert.
Das "Bombergrestaurant", z.B., bezog täglich frische Kuchen und Torten aus dem Langen Grund.
Zeitweilig wurden auch Enten, Gänse und Bienen gehalten.
Im Winter durchzog der Duft der gelagerten Äpfel und selbstgeräucherten Würste und Schinken, im Sommer von frischem Kaffee und Kuchen das ganze Haus.
Mit mehreren Forellenteichen, direkt unterhalb der Schellenbachquelle, wurde das Angebot der Küche um die "Spezialität Forellen" erweitert.

Nachdem Heinrich den Langen Grund übernommen hatte, wurde der ältere Teil des Hauses aufgestockt, eine große Terasse angelegt und ein kleiner "Gästebungalow", sowie eine mehrkammerige Hauskläranlage gebaut; s.o., Bild rechts.


Seit dem Tode Heinrichs, führt Sohn Michael Schaper, auch er gelernter Konditor, den Langen Grund.
Mit großem, persönlichem Einsatz, lag der Schwerpunkt zuerst auf der Sicherung des Bestehenden.
Für den Betrachter von aussen nicht sichtbar, wurden große Teile des Gebäudes entkernt, moderne Fußböden, Wände und Isolierungen eingebaut, sowie eine Abwasserleitung nach Pyrmont gelegt..
Küche und Konditorei, sowie die Gasträume präsentieren sich heute wie früher zeitgemäß und damit steht der Lange Grund, nunmehr in der dritten Generation, auf festen, sicheren "Beinen".


Es ist für mich, Enkel, Sohn und Bruder der jeweiligen Besitzer, nicht einfach zu sagen, wer am Meisten zum Bestehen des Langen Grundes beigetragen hat.
Sicher war die Geschäftsidee Ludwigs "zündend", die umfangreichen baulichen und landwirtschaftlichen Erweiterungen Heinrichs erheblich. Ohne ihre Frauen hätten alle jeweiligen Besitzer jedoch kaum schaffen können, was oben beschrieben wurde.
Vielleicht ist aber gerade die gewaltige Bestandssicherung Michaels entscheidend, den Langen Grund in die nächste, die vierte Generation zu führen.